Nadelholz in der Wertschöpfungskette - HKZR unterstützt Austausch der Akteure

Nadelholz in der Wertschöpfungskette Wald und Holz bleibt wichtig für wirtschaftliche und klimapolitische Ziele nicht nur in NRW

Erneut fand im Holzforum von Wald und Holz NRW auf der Landesgartenschau (LAGA) in Zülpich eine Veranstaltung des Holzkompetenzzentrums Rheinland (HKZR) statt. Diesmal standen das Nadelholz und der zukünftige Umgang damit im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, der Struktur der auf Holz basierenden Betriebe und als wirtschaftlich wichtige Baumartengruppe für 152.000 Waldbesitzer in NRW, besitzt das Nadelholz nicht zuletzt eine besondere Bedeutung für das klimapositive Bauen mit Holz. 60 Akteure der Wertschöpfungskette (WSK) vom Waldbesitz über die Verarbeiter bis zum Holzbau folgten der Einladung des HKZR und stellten einhellig fest: Will man die Potentiale des Zukunftsrohstoffs Holz ausschöpfen, gilt es - undogmatisch und versachlicht - eine gemeinsame Nadelholz-Strategie zu entwickeln, die für die Gesamtheit der Forst- und Holz-Branche tragfähig ist.

Betrachtet man den ökologischen und gesellschaftlichen Druck, der auf ihm lastet, ist der Wald weiterhin zunächst Opfer, dies stellte Horst-Karl Dengel von Wald und Holz NRW in seiner Begrüßung fest. Der Forstmann betonte jedoch die gesamtgesellschaftlich wachsende Einsicht bezüglich der Leistungen des Waldes, die ihn gleichzeitig zum Retter bei Herausforderungen der Zukunft werden lassen.

Für Dr. Philipp Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW (WBV) sind der Wald, seine Produkte und nicht zuletzt die Handlungsfreiheit seiner Bewirtschafter in ihrer Wichtigkeit nicht hoch genug einzuschätzen. Er mahnte Augenmaß im politischen Umgang mit unserem Handlungsfeld Wald und Holz an: “Übermäßige Förderkonzentration oder Beratung in Richtung Laubholz beraubt uns der Bestandes- und Produktvielfalt und somit der Möglichkeit, Krisenereignissen zu begegnen bzw. stabil zu wirtschaften“. Alle Akteure sollten ehrlich sein. Eine Biodiversitätsstrategie, die allzu sehr auf das Laubholz fokussiere oder gar die Douglasie waldbaulich ausschließe, ermögliche nicht die gesamte Bandbreite ökosystemarer und wirtschaftlicher Leistungen.

Dr. Norbert Asche vom Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald, einem ausgewiesenen Experten für die Standortklassifikation in NRW, fiel die Aufgabe der wissenschaftlichen Einordnung der Zusammenhänge zwischen Klimaentwicklungen und naturräumlicher Ausstattung zu. Aus seiner Sicht bergen die sich ankündigenden klimatischen Veränderungen mit ihrer Handlungsnotwendigkeit gleichsam Chancen, über alternative Baumarten u.U. sogar Mehrleistungen zu erzielen. Standortgerechtigkeit  bei der Baumartenwahl ist der Schlüssel, der charakteristischen Ungleichzeitigkeit des Klimawandels, mit zeitlich und regional äußerst differenzierten Auswirkungen, fallbezogen zu begegnen. Hier dürfe es keine Denkverbote geben. So sei ganzheitlich zu prüfen, ob z.B. die Tanne (Abies Grandis) nicht nur standörtlich, sondern auch technisch eine Option der Zukunft sein könne. Dementsprechend müsse diese Prüfung den fachlichen Austausch mit den Verarbeitern im Cluster auf dem weiteren Weg des Holzes bis zum Holzbau mit einschließen. Und zur Schutzgebiets-Diskussion: “Machen Sie sich bewusst, dass auch ein Naturraum mit Bewirtschaftungsverzicht letztlich einer Nutzung zu Gunsten - zugegebenermaßen monetär bisher nicht bewerteter – erwünschter (Dienst-)Leistungen im Sinne der gesellschaftlichen Wohlfahrt wie z.B. Luft und Wasser unterliegt.“ Die Frage bliebe, inwieweit es vertretbar sei, mit politischer Schwerpunktsetzung „nur“ aktuell erwünschte (ökologische) Leistungen des Waldes zu bedienen. Es bestünde dann die Sorge, unter Missachtung der Multifunktionalität des Waldes, forstfachlich etwaig „zu kurz zu springen“.         

Eberhard von Wrede, Berater des WBV und  Sprecher des forstlichen Betriebsvergleichs in NRW erläuterte Aussagen zu Zustand, Zusammenhängen und Trends in der Privatwaldbewirtschaftung (2/3 der NRW-Waldfläche).
Die Baumartengruppe Fichte/Tanne/Douglasie habe mit  2 Mio. (2013) Erntefestmetern nicht nur den höchsten, sondern ebenso einen stetig steigenden Einschlag. Demgegenüber ist der Einschlag im Laubholz mit knapp 1 Mio. gleichbleibend. Nähere man sich dem Themenfeld Nadelholz betriebswirtschaftlich, so stelle man fest: Sowohl die Betrachtung im Fichtenring (Betriebe mit Schwerpunkt Nadelholz: 65% der Fläche) mit 630 €/ha als auch im Buchenring (Schwerpunkt Laubholz: 65% der Fläche) mit knapp 500€/ha zeigt, die Fichte generiere nach wie vor den höchsten Deckungsbeitrag.
Hier würde die Bedeutung des Nadelholzes als Brotbaum der Waldwirtschaft und darüber hinaus neben dem betriebswirtschaftlichen, auch der volkswirtschaftliche Nutzen deutlich: die WSK mit ihren 180.000 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von 38 Mrd. € lebe zu 90% vom Nadelholz. Mit zunehmender Besorgnis betrachte daher die Branche Fördertatbestände, Waldbauprogramme und aktuelle politische Strategien, die den Laubholzanteil in NRW von 52% in 2002 selbst nach den darauffolgenden starken Windwürfen - hauptsächlich im Nadelholz - nochmals steigern würden; dies zudem angesichts derzeit noch begrenzter technischer Möglichkeiten für stoffliche Verwendungen des Laubholzes im Holzbau.

Die Stimme der Verarbeiter vertrat Lutz Schmelter, geschäftsführender Gesellschafter eines mittelständischen Sägewerks und Vorstandsmitglied des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbands (DeSH). Das in Deutschland produzierte Nadel-Schnittholz würde zu 64 % im Baubereich verwandt. 80 % davon gingen in den Wohnungsbau mit deutlichem Schwerpunkt in der Modernisierung bzw. energetischen Sanierung. Großvolumige Projekte im Holzbau würden mit Nadelholz umgesetzt.
Die Architekten gelten als entscheidenden Multiplikatoren auf dem Wege zu mehr Holzverwendung. Sie sehen beim Holz in den kommenden fünf Jahren eine Steigerung um 9% in der Verwendung und damit einen Zukunftsbaustoff mit steigendem Bedarf. Trotz dieser großen Potentiale verändere sich die Rohstoffbasis für die Sägeindustrie in NRW nicht nur im Verhältnis der Baumarten zu Ungunsten des Nadelholzes. Vielmehr würde durch ausufernde Schutzgebietsausweisung zusätzlich Holz aus dem Markt genommen, während europäische Nachbarn ihre Rohstoffbasis quantitativ und qualitativ erhalten bzw. ausbauen. Aus Sicht des DeSH bestünde durchaus die Gefahr, dass Forschung und Entwicklung und die Produktion des Materials für klimapositive Holzbauten mittelfristig dort stattfänden. Abnehmer für heimisches Rundholz könnten verschwinden.Es gälte die Basis für den Holzbau als Motor für den Klimaschutz zu erhalten und auszubauen.

Andre Stief, Vertriebsmitarbeiter von Pollmeier Massivholz rundete die Veranstaltung zum Nadelholz mit einem Vortrag zur Frage nach laubholzbasierten Alternativen ab. Die Produktion der BauBuche als erstes standardisiertes Produkt, welches Buchenholz in einer bisher vernachlässigten, werthaltigeren, stofflichen Form für den Holzbau nutze, laufe derzeit an. Sowohl Biegefestigkeiten, Dichte und Elastizitätsmodul des Furnierschichtholzes aus Buche lägen über dem der Schnitthölzer und Vollholzwerkstoffe aus Fichte. Es ließen sich so filigranere Tragwerke mit geringeren Materialabmessungen bei gleicher Tragfähigkeit erstellen. Der Materialverbrauch ließe sich signifikant senken und das geringere Gewicht könne die Last auf Bestandsgebäude z.B. bei Aufstockungen mindern. „Mit seinen Alleinstellungsmerkmalen eröffne die BauBuche jedoch speziellere konstruktive, ebenso wie ästhetische Optionen im Holz- und Innenausbau - eher auf Premium-Niveau.“ Einschränkungen bei der Witterungsbeständigkeit machen deutlich, dass es sich bei dem Buchenprodukt nicht um einen all umfänglichen Ersatz, sondern um eine Ergänzung des nachhaltigen Holzbaus mit Nadelholzprodukten handele.

Axel Krähenbrink, Leiter des Holzkompetenzzentrums Rheinland moderierte die Veranstaltung, mit dem für das HKZR charakteristischen Ansatz der ganzheitlichen Betrachtung der Zusammenhänge unseres Wirtschaftsfeldes. Trotz aller Entwicklungen sei bisher kurz- bis mittelfristig keine funktionierende Alternative für die komplette Bandbreite des massentauglichen Holzbaus mit Nadelholz absehbar.
Die Brisanz der knapperen Rohstoffbasis und der Nadelholzversorgung beträfe somit die gesamte Wertschöpfungskette in allen Verzweigungen. Bei allen Meinungsgegensätzen: Der WBV, Wald und Holz NRW und die Sägeindustrie begrüßten ausdrücklich die Gelegenheit zur jeweiligen Positionsbestimmung in neutralem Rahmen. Krähenbrink: „Fern von reinem Einzelinteresse, alle Forst- und Holz Akteure bei gemeinsamen Veranstaltungen kontinuierlich zum zielgerichteten sachlichen Austausch zu bewegen, sensibilisiert für den Cluster-Gedanken und erhöht unsere politische und öffentliche Wahrnehmung als Voraussetzung für den Branchen-Erfolg.“


Nadelholz in der Wertschöpfungskette Pressetext [PDF, 29kb, 01.10.2014]Flyer Nadelholz in der Wertschöpfungskette [PDF, 4032kb, 30.09.2014]

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