Holzbau-Mustersiedlung für die Eifel vorgestellt

Das Holzkompetenzzentrum Rheinland (HKZR) bemüht sich - wie das HolzClusterEifel (HCE) um vermehrten Holzbau im Sinne eines modernen, energieeffizienten Ansatzes, der sich darüber hinaus in das jeweilige baukulturelle Umfeld einordnet.
Im Planungsmodell für eine Musterholzbausiedlung an einem möglichen Standort in Nettersheim werden die Vorteile des Holzbaus mit der regionaltypischen Baukultur verknüpft dargestellt. Die prinzipielle Übertragbarkeit des Holzbau-Entwurfs auf andere Eifelgemeinden stand im Mittelpunkt der Überlegungen. Für die meisten Eifelkommunen sind die demographischen, kulturellen, topographischen und ökonomischen Herausforderungen sehr ähnlich. Die vorliegende Idee gibt ein Beispiel wie man diesen Fragestellungen mit dem modernen Holzbau begegnen könnte.

Urbane Prägung potentieller Bauherren

Die Klientel potentieller Bauherren ist in unserer Gesellschaft zunehmend urban geprägt und hat erfahrungsgemäß äußerst konkrete Vorstellungen bezüglich der möglichst vielfältigen Funktionalität und zu der Verortung eines Gebäudes. Diesen Parametern der Funktionalität, wie z.B. Materialität, flexible Raumaufteilung, Energieeffizienz, Wohngesundheit durch Naturmaterialien, Individualität oder bauliches Umfeld  wird dann der individuelle finanzielle Rahmen angepasst und nicht umgekehrt. Diese Zielgruppe ist am besten sowohl rational als auch emotional über weitgehend entwickelte  Entwürfe bzw. konkret umgesetzte und somit erlebbare Best-Practice-Beispiele vor Ort zu erreichen.
Konkrete Objekte geben - mit den Möglichkeiten des Holzbaus - Antworten auf  heutige sozioökonomische, ökologische, bauphysikalische, ästhetische und baukulturelle Anforderungen an ein Bauwerk als Lebens-, Arbeits- und Wohnraum. Nicht zuletzt schaffen durchdachte, gute Beispiele weitere Multiplikatoren für den Holzbau. 
Dem strategischen Ansatz des Holzbaus als Leitziel für das HolzCluster.Eifel folgend, war es Ziel, eine für die Eifelregion mustergültige und beispielgebende Wohnsiedlung zu konzeptionieren, die tradierte ortstypische Architektur zitiert und mittels innovativer Holzbauweise neu interpretiert. Eine solche Holzbausiedlung ist als zusammengehörige Struktur erkennbar, bietet jedoch in der konkreten Umsetzung von allgemeinen (holzbaulichen) Details, Grad der Energieeffizienz, Fassadenstruktur oder Lichtsteuerung durch Fenster, Raum für individuelle Ideen und Gestaltung. Der Entwurf lässt durchaus eine Planung der einzelnen Gebäude durch unterschiedliche Architekten zu. Gemeinsamer Nenner bleibt dabei die eifeltypische Gebäudestruktur, der Siedlungscharakter und die möglichst konsequente, immer jedoch hoch qualitative Holzbauweise.
 
Holzbau, erkennbar eifeltypisch umgesetzt

Ein Holzbauensemble, das konkret und ganzheitlich die eifelspezifischen Alleinstellungsmerkmale wie Naturnähe, günstigeres Bauland und Baustil mit Wiederkennung gegenüber oftmals stereotypen baulichen Alternativen herausarbeitet, kompensiert etwaige Standortnachteile gegenüber einem urbaneren Umfeld; dort wäre ein vergleichbarer Ansatz schwerer denkbar. 
Dementsprechend ist die Siedlung so angelegt, dass sie den typischen Eifeler Winkelhof, das Langhaus und den Bruchsteinsockel mit aufstockendem Holzgeschoss, die sich allgegenwärtig in den Bestandsgebäuden älteren Datums finden, als individuelle Stilelemente aufnimmt. Kombiniert mit einer sensiblen Einbettung in vorhandene Ortsstrukturen wird eine entsprechend gestaltete Holzbausiedlung nicht als Störelement empfunden, sondern fügt sich organisch ein und ergänzt bzw. bereichert das Ortsbild.     
Eine Besonderheit des vorliegenden städtebaulichen Entwurfs ist der Quartiersgedanke. Die Gebäudestruktur bietet über den Winkel und daraus erwachsene Expositionsoptionen die Möglichkeit sich als Bewohner gegen Einblicke von außen zu schützen. Die vorgeschlagene Gebäude Typologie als Split-Level-Typ mit drei vollwertigen Ebenen kommt einer in der Eifel häufigen Topographie mit ausgeprägten Hanglagen nach. Hier wird eine Rahmenbedingung zur Tugend, so dass alle Gebäude ebenerdig zu erschließen sind.    
Ein direkter Übergang vom öffentlichen Raum innerhalb des Hauses, den Küchen- und Essbereichen, in den öffentlichen Raum des Quartiers in Form eines gemeinschaftlichen Platzes, ist problemlos möglich. Ein Miteinander obliegt ebenso, wie ein jederzeit mögliches Nebeneinander zur Wahrung der Privatsphäre, der freien Wahl der Bewohner.

Raum für Individualität im Holzbau-Quartier

Gleichwohl die äußere Gebäudestruktur festgelegt ist, wird über das gesamte bauliche Konzept hinweg die große Flexibilität der hölzernen Materialität deutlich. Durch die Eigenschaft des Holzbaus das Tragwerk problemlos ausschließlich in die Gebäudehülle zu integrieren, ist der innere Zuschnitt zur Nutzung frei wählbar, weil statisch nicht relevant. So lassen sich im Inneren, jeweils angepasst an individuelle Lebensabschnittsbedingungen, die Grundrisse sehr frei wählen, bzw. im Nutzungsverlauf bei beruflichen, familiären oder ökonomischen Veränderungen leicht anpassen. Eine heutzutage oft geäußerte Anforderung sind eben diese breitgefächerten Optionen bei der Nutzung und Umgestaltung des Wohnraums.Hier kann der Holzbau punkten, indem er sich vielfältigen Lebenssituationen anpassen kann. So ist das reine Wohnen ebenso als Grundrisskonzept umsetzbar, wie das generationenübergreifende Wohnen, die Option einer Einliegerwohnung, die Ausgestaltung mit einem Home-Office Bereich oder gar ein abgrenzbares Geschäftsbüro mit Besprechungsräumen.
 
Zunächst ist es ein Ziel des Holzbauquartiers, einer definitiv vorhandenen Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum auf dem Land mit einer Holzbaulösung nachzukommen. Auf mittelfristige Sicht ist der Mustercharakter jedoch ganz wörtlich zu verstehen. Die Siedlung als überregional wahrgenommenen Ort zur Besichtigung der Möglichkeiten des Holzbaus auch für den urbanen Raum aufzubauen ist ebenso Ziel; dies gleichsam für Fachleute, wie für allgemein Interessierte. Hierzu könnte ein Gebäude als begehbares Musterhaus und temporärer Ausstellungsraum zum Thema Holzbau und Baukultur u.U. in Partnerschaft mit regionalen Firmen der Wertschöpfungskette Wald und Holz dienen. Auf diese Weise würde sich das Konzept in die Initiativen sowohl des Holzkompetenzzentrums Rheinland, des HolzCluster.Eifel, aber auch in die Zielsetzung von Kooperationspartnern des Vereins Wald Und Holz Eifel e.V., wie der Zukunftsinitiative Eifel mit ihrem regionalwirtschaftlichen Ansatz einordnen.

Chance für Eifelgemeinden und Regionalwirtschaft

Im Rahmen der Angebotsabfrage war der Leitung des Holzkompetenzzentrums Rheinland und dem Clustermanagement des HolzCluster.Eifel neben der Affinität zum Ingenieur-Holzbau insbesondere der Regionalbezug in den Referenzen der kontaktierten Büros wichtig. Nach Abfrage im Kreise verschiedener in der Eifel verorteter Architekturbüros wurde schließlich das Büro denzer & poensgen aus Marmagen ausgewählt und mit dem Entwurf nach den Vorgaben des Projektes betraut.
Mit der Vision zur Holzhaussiedlung ist nun in Form eines Angebotes an die Eifelgemeinden ein erster Schritt als Diskussionsgrundlage zu weiteren Planungen vollzogen.
Eine moderne ganzheitlich durchdachte Siedlung bietet Chancen: Sie kann mittels außergewöhnlichem Charakter die Gemeindeattraktivität steigern, Abwanderungen bremsen und Zuzug generieren. Die Umsetzung einer solchen Siedlung würde im identitätsstiftenden Sinne des Projektansatzes die gesamte Wertschöpfungskette Wald und Holz vom Waldbesitz über die Sägewerke bis zum Holzbau bedienen. Nicht zuletzt ließe sich so die größtenteils im ländlichen Raum angesiedelte Branche zu Gunsten von Wirtschaft und Klimaschutz stärken.

Weitere und tiefergehende Informationen erhalten Sie aus dem über das HKZR oder das HCE anzufordernde Exposè „Ein Ort im Ort“.
© Axel Krähenbrink / Holzkompetenzzentrum Rheinland

Entwurf gefördert im Rahmen des Projektes HolzCluster.Eifel II (www.wald-holz-eifel.org) vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz NRW / Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Entwurf Holzbau-Mustersiedlung nach Vorgabe HCE II und HKZR: Denzer & Poensgen
 

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