Vortrag von Erwin Thoma
Montag 5. November 2018 19:00 Uhr im HKZR

Das Bauinformationszentrum Nettersheim präsentierte in Kooperation mit dem Holzkompetenzzentrum Rheinland

Erwin Thoma: Der mit den Bäumen spricht.
Wohnen und Leben im Einklang mit der Natur.


In seinem modernen Einfamilienhaus wurden Erwin Thomas Söhne sehr krank; sie bildeten Symptome heraus, die sie in ihrem vorherigen Holzhaus im Pongau nicht gekannt hatten. "Gegen den Holzleim in Spanplatten entwickelten sie eine schwere Allergie, eine Art Asthma, und hatten so schwere Erstickungsanfälle, dass wir nicht wussten, ob sie am folgenden Tag noch aufwachen würden“, so Erwin Thoma über die dramatische Lage nach dem Umzug. Thoma reagierte prompt: Mutter und Kinder verlebten den Sommer in einer Holzhütte auf der Alm. Vater und Großvater rissen derweil im Tal jede Spanplatte heraus, die sie finden konnten, entsorgten sie im Sondermüll und ersetzten sie durch Massivholz. „Wir haben gehobelt, genagelt und gezimmert. Alles ganz einfach... und die Kinder wurden gesund.“

Am Wendepunkt
In Erwin Thomas Leben war das der grundlegende Wendepunkt. „Dieses Erlebnis hat mein gesamtes Weltbild über den Haufen geworfen“, sagt Thoma, der ausgebildete Ingenieur und Förster, der bis dahin überzeugt war, dass man mit technischem Fortschritt jedes Problem lösen könne. „Doch genau das Gegenteil war der Fall: Es war die Besinnung auf die Natur, die das beste Ergebnis brachte. Diese Erkenntnis anzuwenden und zu verbreiten, wurde zu meiner Lebensaufgabe. Zuerst für meine Kinder, dann für alle anderen.“

Thoma-Häuser in aller Welt
Für den Holzunternehmer wider Willen erwies sich seine "Missionstätigkeit" als Glücksgriff, auch wirtschaftlich. Erwin Thomas Gebäude, die er mit 140 Mitarbeitern konzipiert und errichtet, finden sich mittlerweile auf der ganzen Welt: Er baute eine Uni in Oslo und eine in Moskau, er baute die Residenz der königlichen Familie in Norwegen, und er baute viele Häuser in Japan. In Hamburg errichtete Thoma das „Haus der Zukunft“, das sich selbsttätig heizt und kühlt. „Untersuchungen der Medizin-Uni Graz konnten belegen, dass der Mensch auf nicht kontaminiertes Vollholz sofort messbar reagiert: Puls und Herzschlag werden ruhiger, das vegetative Nervensystem wird gestärkt, die Tiefschlafphasen werden länger, der Schlaf insgesamt entspannter. Das hat die moderne Medizin nachgewiesen, das ist nicht Humbug oder Esoterik.“

Mythos Mondholz
Als Erwin Thoma vor Jahren mit der Theorie vom Mondholz an die Öffentlichkeit trat, wurde er umgehend unseriöser Praktiken verdächtigt, die wissenschaftlich nicht haltbar seien. Seine Auffassung, dass Holz je nach der Mondphase, in der es geschlagen wird, härter oder schädlingsresistenter ist, wurde schließlich von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich in einer jahrelangen Studie nachgewiesen, berichtet Thoma mit sichtlicher Genugtuung. „Die Bäume sind eine Metapher, in der sich über Jahrmillionen das Ausleseverfahren der Natur offenbart.“ Jeder, der bereit sei, diesen Vorgang zu verstehen, könne davon lernen.

Die geheime Sprache der Bäume
Was genau daraus zu lernen ist, beschreibt er in seinem Buch „Die geheime Sprache der Bäume – und wie die Wissenschaft sie entschlüsselt“; rasch schaffte es das Buch in die Bestsellerlisten. Nicht überraschend, trifft Thoma doch genau den Nerv einer Zeit, in der naturnahe Lebensstile, gesunde Ernährung und verantwortlicher fairer Konsum an Bedeutung gewinnen. „Wir haben einen unglaublichen Leidensdruck. Es wird immer deutlicher, dass wir mit konventionellen Methoden nicht weiterkommen. Die Wissenschaften verlieren zunehmend an Akzeptanz“, resümiert Thoma.

Nach dem Rückzug eine Renaissance des Holzes
Sein eigenes Kinderzimmer war der Wald: „Mit einer Freiheit, einer Wildheit, das es heute nicht mehr gibt, nicht einmal auf dem Land.“ Holz war allgegenwärtig, auch als Werkstoff; Wissen wurde vom Großvater und vom Vater an die Buben weitergegeben: „Damals war diese Welt noch wirklich und echt, kurz darauf gab es sie nur noch im Museum.“
Aus diesem will Thoma sie hervorholen. Bäume sind für ihn ein Baustoff voller Überraschungen,  Massivholz ist ab einer Dicke von 20 Zentimetern dicht gegen Hochfrequenz und damit abhörsicher und eine naturmedizinische Fundgrube (Tannenwipfelsirup, Lindenblütentee). Bäume sind für ihn wie Familienmitglieder mit Eigenheiten, die nur darauf warten, genutzt zu werden: „Bergahorn für Ruhe und Entspannung, Birke für Kreativität, Zirbe oder Fichte für Orte, an denen Leute zusammenkommen.“ Wer's wissen will, kann am Küchentisch Erwin Thomas These überprüfen, dass Bäume Menschen etwas zu sagen haben. Alle anderen können sich einfach über einen schönen Tisch freuen.

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